Grotesker Schildbürgerstreich in Bochum-Linden. Wer hat sich so etwas Dummes ausgedacht?


Die Hattinger Straße in Bochum-Linden wird zum Testgelände.
Ab 27. April 2026 startet die Stadt Bochum zwischen Hasenwinkeler Straße und Dr.-C.-Otto-Straße einen Verkehrsversuch.
Das ändert sich: Tempo 20 statt 30, Radfahrer fahren auf der Fahrbahn, Parkplätze fallen weg. Dafür gibt es mehr Fahrradbügel, eine Ladezone, zwei Taxistände, einen extra Behindertenparkplatz und zwei neue Mietradstationen. Absolutes Halteverbot – selbst kurzes Halten, um die Oma vor der Apotheke oder der Arztpraxis rauszulassen, ist verboten! Auf der Nordseite werden sogar Parkplätze zur Grünfläche und zum Verweilort umgestaltet. Die Hochschule Bochum begleitet den Versuch „wissenschaftlich“, und es wird eine öffentliche Befragung geben.

Was hier als „Modellversuch“ verkauft wird, wirkt auf viele Anwohner wie ein klassischer Schildbürgerstreich aus dem Elfenbeinturm politischer Entscheidungsträger.
Die Begründung, man habe bisher „zu sehr vom Auto gedacht“ und wolle künftig „mehr an die Menschen denken“, klingt zunächst sympathisch – ist aber bei näherer Betrachtung sehr fern von der Realität. Denn wir, die Menschen vor Ort, sind nun einmal auf das Auto angewiesen. Wer den Wocheneinkauf erledigt, inklusive Getränkekästen, kann diesen weder praktikabel mit der Straßenbahn noch mit dem Fahrrad bewältigen.

Hier wird ideologisch argumentiert, nicht alltagsnah.
Schon jetzt herrscht in der Einkaufsmeile akute Parkplatznot. Bereits die Umgestaltung und damit der Wegfall von 42 Parkplätzen am Wochenmarkt „Am Poter“ war eine Katastrophe. Am letzten Samstag zählte ich fünf Verkaufsstände – vor der Umgestaltung waren es doppelt so viel.

Ein Besuch dieses Wochenmarktes lohnt sich nicht mehr, weder für die Bürger noch für die Verkäufer.
Die jetzt geplante Reduzierung weiterer Parkflächen wird die Situation weiter verschärfen und den Stadtteil Linden noch unattraktiver machen. Die Folge ist längst zu beobachten: Viele Anwohner meiden den Standort bereits. Stattdessen fahren sie in benachbarte Städte wie Essen (funktionell und groß: Wochenmarkt Essen-Steele) oder Gelsenkirchen und zu REWE nach Hattingen statt nach Linden: dort sind jeweils ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden – selbst wenn dafür zusätzliche Kilometer in Kauf genommen werden müssen.

Dass dies nun durch weitere Einschränkungen noch verstärkt wird, ist aus ökologischer Sicht ein Treppenwitz.
Besonders widersprüchlich erscheint, dass einerseits Klimaschutz propagiert wird, andererseits aber Maßnahmen umgesetzt werden, die zu längeren Fahrstrecken und Umwegen führen. Autofahrer sollen gezielt verdrängt werden, ohne tragfähige Alternativen zu schaffen. Das hat mit nachhaltiger Verkehrsplanung wenig zu tun.
Hinzu kommt, dass die Maßnahmen offensichtlich nicht dem Willen der meisten Betroffenen entsprechen. Die Menschen vor Ort fühlen sich übergangen, ihre Bedürfnisse werden ignoriert. Stattdessen wird eine politisch motivierte, links-grün geprägte Vision durchgesetzt, die mit der Lebensrealität wenig gemein hat.

Eine lebendige Einkaufsmeile braucht Erreichbarkeit – und dazu gehören auch ausreichend Parkmöglichkeiten. Wer diese Grundlage entzieht, riskiert die weitere Verödung des Einzelhandels vor Ort.
Ich appelliere daher an die Verantwortlichen, die geplanten Maßnahmen zu überdenken und stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen.
Die Maßnahmen sind in hohem Maße realitätsfern. Dieser Modellversuch muss gestoppt werden, bevor es zu spät ist und keine Parkplätze mehr benötigt werden, weil die Bürger ihr Verhalten dauerhaft geändert haben und ein nachhaltiger Schaden für den Einzelhandel entstanden ist.

Politiker etablierter Parteien, die derart dumme und unüberlegte Entscheidungen treffen, die gegen die eigenen Bürger gerichtet sind, sollten sich nicht wundern, wenn Wähler sich anderen Parteien zuwenden – im Zweifel solchen am politischen Rand.

Im Namen der Bürger von Linden und Umgebung.