Das Streikrecht gehört abgeschafft!


Ich, ich, ich, ich. Den Streikenden geht es um die rücksichtslose Expansion und Verwirklichung der eigenen Interessen. Dafür nehmen sie das gesamte Land in Geiselhaft.
In der Privatwirtschaft besteht das Streikrecht nur noch auf dem Papier. In der heutigen globalisierten Wirtschaft würden die bestreikten Betriebe ihre Aufträge an Konkurrenten im Ausland verlieren; Streiks würden den Unternehmen Gewinne und den Arbeitnehmern ihre Jobs kosten.
Ich bin seit 45 Jahren selbstständig. In diesen Jahren habe ich selten weniger als 70 Stunden pro Woche gearbeitet und selten mehr als zehn Tage Urlaub pro Jahr gemacht – und dabei unwesentlich mehr verdient als ein Krankenpfleger oder ein Angestellter der Landesregierung, als solcher ich früher tätig war. Das für die Abrechnung der Heilpraktiker-Leistungen zugrunde liegende Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) stammt aus dem Jahr 1985. Seitdem sind die Gebührensätze kein einziges Mal an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst worden. Welches wie auch immer geartete (Streik-)Recht steht mir zu, eine Anpassung zu bewirken?
Machtmissbrauch einer privilegierten Elite: Das einst hart erkämpfte Streikrecht verkommt zum Privileg für wenige. Gewerkschaften sind Inflationstreiber.
Weil Müllabfuhr, öffentliche Verwaltung und öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) nicht in Dritte-Welt-Länder ausgelagert werden können, wird vornehmlich in diesem öffentlichen Sektor gestreikt. Hier haben die Gewerkschaften Macht. Piloten, Fluglotsen und Lokführer können mit einer Arbeitsniederlegung ganze Systeme lahmlegen. Deshalb haben sie das höchste Erpressungspotenzial. Streiks dienen immer öfter dazu, diesen ohnehin strategisch gut positionierten Gruppen noch bessere Tarifverträge mit noch höheren Löhnen und noch besseren Bedingungen zu verschaffen.
Habe ich Verständnis für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst? Nein!
Streiks sind aus Sicht der Gewerkschaften verständlich, weil sie ihre Macht dazu nutzen, das Einkommen ihrer Mitglieder zu maximieren. Aber jeder Erfolg geht auf Kosten ihrer Kollegen, die weniger schwer ersetzbar sind. Jeder Euro, den sich öffentliche Bedienstete durch Kampfmaßnahmen sichern, wird nicht etwa reichen Unternehmen, sondern den Steuerzahlern weggenommen – jenen Bürgern, die weniger Privilegien genießen als die Staatsangestellten. Und was ist mit all den Selbstständigen, Freiberuflern und Arbeitnehmern, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind?
Der österreichische Publizist und Politologe Eric Frey schrieb am 12.11.2007 in der Print-Ausgabe von DER STANDARD:
Der Streik, einst eine Waffe für mehr Gerechtigkeit und Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität, verkommt zu dessen Gegenteil. Belegschaften werden auseinanderdividiert, genauso wie die Gesellschaft an sich – in einen geschützten Sektor, dessen Mitglieder ihre Macht ausspielen können, und in den Rest, wo den Menschen der Wind der Globalisierung jeden Tag entgegenbläst.
Daher stellt sich die grundsätzliche Frage, ob das Streikrecht immer noch gesetzlich geschützt gehört, oder ob es bestimmten Berufsgruppen nicht sogar untersagt werden müsste, zu ihrem eigenen Nutzen das Gemeinwohl aufs Spiel zu setzen.

Stand 17.03.2026