Die Stellung und die Wahrnehmung des Heilpraktikers gestern und heute

Heilpraktiker: Medizinischer Beruf als Alternative zur Schulmedizin oder Wellnesstherapeut?

Gestern
Zu Beginn meiner Tätigkeit in den 1980er Jahren verstanden sich die Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker (der Einfachheit halber im Folgenden nur mit "Heilpraktiker" bezeichnet) als Vertreter einer durchaus ernst genommenen Alternative zur Schulmedizin. Dort die Apparatemedizin, die Krankheiten erst wahrnimmt, wenn sie spürbar oder sichtbar sind, und nebenwirkungsreiche Therapien mit chemisch definierten Arzneimitteln und operativen Eingriffen; hier eine Mitberücksichtigung der Konstitution und Lebensumstände und nebenwirkungsarme, heilende, biologische Methoden.

Der Unterschied zwischen der Schulmedizin (Allopathie) und der Biologischen Ganzheitsmedizin (Naturheilkunde) liegt aber nicht nur in der Verabreichung von Medikamenten verschiedener Herkunft oder Herstellungsart, sondern in der grundsätzlich anderen Ideologie des Behandlers und in dem anvisierten Ziel.

Die allopathische Therapie hat Mittel entwickelt, welche die Befindlichkeitsstörungen und Symptome palliativ unterdrücken. Sie werden nicht mehr gespürt, sind nicht mehr sichtbar - aber die Ursachen mit ihren Gefahren bestehen weiterhin. Einzelne pathologische (nicht der Norm entsprechende) Werte werden kosmetisch behandelt. Der Begriff "palliativ" bezeichnet therapeutische Maßnahmen, die nicht auf die Heilung einer Erkrankung, sondern nur auf die Linderung der durch sie ausgelösten Beschwerden ausgerichtet sind. Das Ziel der Behandlung wäre zwar eine Verbesserung der Lebensqualität; die Anstrengung, die Ursache der Krankheit zu beseitigen und dadurch ein Zurückschreiten der Krankheit mit dem Ziel einer echten Heilung zu bewirken, wird jedoch so nicht unternommen.

In der Biologischen Ganzheitstherapie dagegen geht es um die Regression der Krankheit. Regression heißt, die Geschichte der Krankheit zurückzudrehen bis zu dem Zeitpunkt, wo noch alles in Ordnung war. Die Maßnahmen der Biologischen Ganzheitstherapie beinhalten den Einsatz biologischer Verfahren im Verbund mit der Erkennung und Beseitigung bzw. Ausleitung der belastenden Faktoren und auslösenden Momente.

Dieses Selbstverständnis des Heilpraktikers entsprach auch der Erwartungshaltung des Patienten.

Heute
Die Erwartungshaltung des Patienten wird heute selten erfüllt. Die Nachfrage nach fundierter Biologischer Ganzheitstherapie ist größer als das Angebot! Es gibt zwar immer mehr Heilpraktiker; diese werden aber dem Anspruch des Berufes in seiner ursprünglichen medizinischen Bedeutung immer weniger gerecht.

Wo liegen die Gründe?
Das Vertrauen in die Fähigkeiten der Heilpraktiker und das Bewusstsein der Notwendigkeit des Heilpraktikerberufes ist im Laufe der letzten zwanzig Jahre stetig gesunken:
1. Es gibt keine Heilpraktikerpersönlichkeiten und prominenten Befürworter des Heilpraktikers mehr, die den Berufsstand in der Öffentlichkeit präsentieren.
2. Es findet keine kontroverse Diskussion zwischen den unterschiedlichen Ideologien, Auffassungen und Methoden des Ärzte- und Heilpraktikerstandes mehr statt.
3. Die Öffentlichkeitsarbeit der Naturheilkunde bzw. biologischen Medizin wird nur noch von Ärzten betrieben; der Heilpraktiker findet kaum noch Beachtung.
4. Unter der Berufsbezeichnung "Heilpraktiker" firmieren zunehmend sich selbst verwirklichende Geistheiler, Lebensberater, Kosmetiker und Esoteriker, die dem ursprünglichen Berufsbild des Heilpraktikers und der Patientenerwartung nach fundierter Diagnose und biologischer Therapie als Alternative zur Schulmedizin nicht entsprechen. Dazu zählt zum Beispiel die Beschränkung des Diagnose- und Therapieangebotes auf Wellnessmethoden, Reiki, Kinesiologie und Nahrungsergänzungsmittel. Diese Heilpraktiker sind tatsächlich die größten Feinde des Heilpraktikerberufes. Gemeint sind damit jedoch ausdrücklich nicht die Heilpraktiker, die sich nach außen erkennbar auf Methoden wie z. B. Chiropraktik und Psychotherapie spezialisiert haben.
5. Daraus resultieren Qualitätsmängel in Diagnose und Therapie, die vom Patienten auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

Die Naturheilkunde verkommt zu einem Jahrmarkt. Es ist ein heilloses Durcheinander: Esoterisches mischt sich mit Pseudowissenschaftlichem, seltsame Allianzen werden geschmiedet, da kungeln Neonazis mit der UFO-Szene und Marketing-Agenturen richten alternative Krebskongresse aus, bei denen Geistheiler neben naturheilkundlichen Pharmaunternehmen und der pharmazeutischen Großindustrie auftreten. Jeder Dreck wird an den Mann/die Frau gebracht, und solange er nur gut vermarktet wird, funktioniert jeder Schwindel.

Fundiertes medizinisches und biologisches Wissen findet man bei den Jüngeren selten. Wir müssen dieses Wissen aber erhalten, sonst gibt es in wenigen Jahren keine Heilpraktiker und keine biologischen Arzneimittel mehr! Wie hat Enderlein so schön formuliert: "Nicht die Atomgefahr wird uns ausrotten, sondern die Biologielosigkeit in aller kürzester Zeit."

Wie können wir dieser Entwicklung entgegenwirken?
Nur durch Beseitigung von Qualitätsmängeln im diagnostischen und therapeutischen Bereich und durch Stärkung der sozialen und fachlichen Kompetenz!
Ein Zusatzangebot von Wellnessmethoden, Wohlfühlmassagen, Kosmetik-Behandlungen, Faltenunterspritzung, Fußpflege, Reiki und Kinesiologie und der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln sind kontraindiziert. Dazu muss man kein Heilpraktiker sein! Diese Dinge entsprechen nicht der Erwartungshaltung der Patienten; deshalb leiten sie den Tod der Heilpraktikerpraxen ein!
Auch Gewichtsreduktionsprogramme werden den Patientenzulauf auf Dauer beschneiden. Die meisten Reduktionsdiäten funktionieren zwar, aber bei den meisten Übergewichtigen nicht auf Dauer! Irgendwann erreichen diese Patienten - besser gesagt: Kunden - wieder ihr Ursprungsgewicht oder überschreiten es sogar. Meine Erfahrung zeigt, dass genau diese Patienten die Praxen auch im echten Krankheitsfalle nicht mehr aufsuchen und auch nicht mehr weiterempfehlen.
Viel problematischer ist es aber, dass durch solche Angebote die Heilpraktikerschaft einen immens hohen Imageverlust erleidet und immer weiter in die Wellness-Sparte gedrängt wird.
Auch Werbung mit bestimmten Diagnose- und Therapiemethoden ist kontraindiziert, weil der Therapeut auf diese Methoden reduziert wird, was wiederum das Vertrauen in die ganzheitsdiagnostischen und ganzheitstherapeutischen Fähigkeiten untergräbt.

Viele angebotene Seminare bleiben an der Oberfläche, sind reine Werbe- und Verkaufsveranstaltungen und beschäftigen sich nur mit den sekundären Bereichen des Praxismanagements. Das reicht aber unter den herrschenden Marktbedingungen schon lange nicht mehr aus.

Bei den vom BIO-LABOR und von mir angebotenen Veranstaltungen und Vorträgen geht es um die wichtigsten Aspekte einer langfristig erfolgreichen Praxistätigkeit. Im Vordergrund stehen die Biologische Ganzheitsdiagnostik, die Biologische Ganzheitstherapie und die Verhaltensweisen für eine langfristig tragfähige Patienten-Therapeuten-Beziehung - unter Berücksichtigung der Veränderung des HP-Marktes, seiner Arzneimittel und seiner Patienten.
Im Unterschied zu anderen Seminaren unterrichten hier erfahrene Profis und nicht erfolglose Heilpraktikerkollegen, die mit der Weitergabe ihres Unvermögens auf neue Art und Weise Geld verdienen wollen.
Die Vortragsinhalte basieren zum Großteil auf meinen Erfahrungen. Immerhin betreibe ich seit über dreißig Jahren eine Naturheilpraxis - und das mit großem Erfolg bis zum heutigen Tage.

Die BIO-LABOR-Workshops, -Frühjahrsseminare und -Herbstseminare sowie Vortragsveranstaltungen für Biologische Arzneimittelfirmen und HP-Berufsverbände sind Veranstaltungen, in denen "Erfolgsrezepte" gutgehender HP-Praxen, diagnostische Zusammenhänge und therapeutische Möglichkeiten vermittelt werden, anwendbares Wissen aus der Praxis und nicht aus Lehrbüchern.

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